„Wir sind flexibel." – ein Satz, zwei Kulturen

Ein Satz. Zwei Kulturen. Drei mögliche Projektverläufe.
Vor einiger Zeit begleitete ich die Besetzung eines deutsch-französischen Projektleiters für ein Industrieunternehmen mit starkem Frankreichgeschäft. Kick-off-Meeting. Ambitionierter Zeitplan. Klare Budgetvorgaben.
Der deutsche Geschäftsführer sagt: „Wir sind flexibel."
Gemeint war: Wenn sich Parameter ändern, passen wir strukturiert an – aber innerhalb klarer Entscheidungswege.
Der französische Projektpartner verstand: Wir bleiben beweglich, diskutieren Optionen weiter, optimieren unterwegs.
Vier Wochen später:
- Der deutsche Teil empfindet das Projekt als „instabil".
- Der französische Teil empfindet es als „zu starr geführt".
- Die Teams verlieren Tempo.
- Die Marge beginnt zu erodieren.
Niemand war unprofessionell. Niemand war inkompetent. Aber beide Seiten hatten ein anderes inneres Bild von „Flexibilität". Und genau hier liegt der strategische Hebel.
In deutsch-französischen Projekten entscheidet nicht nur Technik oder Erfahrung. Entscheidend ist, wie Führung Verbindlichkeit, Zeit, Change und Prioritäten interpretiert.
Was ich sehr oft sehe: Unternehmen investieren Monate in die Suche nach dem perfekten technischen Profil – aber wenige Minuten in die Frage:
- Kann diese Person kulturelle Spannungen antizipieren?
- Kann sie implizite Erwartungen übersetzen?
- Kann sie Konflikte verhindern, bevor sie entstehen?
Ein interkulturell starker Projektleiter ist kein „Soft Skill"-Thema. Er schützt Timeline, Budget und Reputation. Und hier wird Recruiting strategisch.
Wer im deutsch-französischen Umfeld rekrutiert, entscheidet nicht nur über eine Stelle. Er entscheidet über Reibungsverluste – oder über Beschleunigung.
Ihre nächste Besetzung kann genau diese Reibungen vermeiden.
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