Risiko Nr. 9: Frankreich versteht das deutsche HQ nicht

13. Juli 2026·Führung·2 Min. Lesezeit
Risiko Nr. 9: Frankreich versteht das deutsche HQ nicht

Serie: Die 20 größten Risiken deutsch-französischer Industrieprojekte – Risiko Nr. 9 von 20

„Das deutsche Headquarter will uns ständig kontrollieren."

Diesen Satz habe ich in Frankreich schon unzählige Male gehört. Interessant ist nur: In Deutschland hatte niemand die Absicht, jemanden zu kontrollieren. Das Headquarter wollte lediglich wissen, wo das Projekt steht.

Zwei Seiten. Die gleiche Situation. Zwei völlig unterschiedliche Interpretationen.

Und genau dort beginnen viele deutsch-französische Projekte langsam aus der Spur zu geraten.

Ein deutsches HQ fordert Kennzahlen, Reportings und klare Prozesse. Die französische Tochter erlebt genau dieselben Maßnahmen manchmal als Misstrauen oder als Eingriff in ihre Eigenverantwortung.

Die Folge? Man spricht höflich miteinander. Aber nicht mehr offen. Probleme werden später angesprochen. Entscheidungen verzögern sich. Frust wächst auf beiden Seiten.

Das Tragische: Niemand macht einen Fehler. Beide handeln aus ihrer eigenen Unternehmenskultur heraus.

Ich erinnere mich an einen französischen Geschäftsführer, der überzeugt war, sein deutsches HQ wolle ihn permanent überwachen. Nach einem gemeinsamen Workshop stellte sich heraus: Das Headquarter hatte schlicht Angst, zu spät informiert zu werden. Mehr nicht.

Zwei Stunden offenes Gespräch verhinderten Monate gegenseitiger Fehlinterpretationen.

Viele Risiken entstehen nicht durch schlechte Menschen. Sondern durch gute Menschen, die dieselbe Situation unterschiedlich lesen.

Wer internationale Industrieprojekte absichern will, muss deshalb nicht nur beide Länder verstehen. Er muss auch dafür sorgen, dass beide Seiten dieselbe Geschichte erzählen.

Welche Missverständnisse erleben Sie zwischen deutschen Headquarters und französischen Tochtergesellschaften am häufigsten?

Richard Pinot

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