Risiko Nr. 6: Die Kultur wird unterschätzt

Serie: Die 20 größten Risiken deutsch-französischer Industrieprojekte – Risiko Nr. 6 von 20
Es war nicht die Technik. Nicht das Budget. Nicht einmal der Terminplan.
Und trotzdem geriet das deutsch-französische Industrieprojekt nach wenigen Wochen ins Stocken.
Warum? Weil zwei Projektteams überzeugt waren, über dasselbe zu sprechen.
Nach dem Kick-off verabschiedete sich der deutsche Projektleiter mit den Worten:
„Gut. Dann können wir jetzt starten."
Sein französischer Kollege lächelte, stieg in den Zug nach Paris – und bereitete die nächste interne Abstimmungsrunde vor. Beide handelten professionell. Beide handelten logisch. Nur eben nach unterschiedlichen Regeln.
Drei Wochen später war aus einem kleinen Missverständnis ein echtes Projektrisiko geworden.
- Entscheidungen verzögerten sich.
- Termine gerieten unter Druck.
- Die gegenseitigen Vorwürfe nahmen zu.
- Das Vertrauen begann zu bröckeln.
Ab diesem Moment sprach niemand mehr über Kultur. Es ging um Budget, Liefertermine und Verantwortung. Genau das wird in vielen Unternehmen unterschätzt.
Kulturelle Unterschiede verursachen selten Probleme im Meeting. Die eigentlichen Kosten entstehen erst danach. Dort, wo Entscheidungen getroffen, Projekte gesteuert und Ergebnisse geliefert werden.
Kultur kostet kein Geld. Missverstandene Kultur schon.
Die meisten deutsch-französischen Projekte scheitern nicht an der Technik. Sie scheitern an Risiken, die niemand auf dem Projektplan sieht.
Genau deshalb lohnt es sich, diese Risiken frühzeitig sichtbar zu machen – bevor sie Zeit, Geld und Vertrauen kosten.
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