Risiko Nr. 10: Die richtigen Talente. Am falschen Platz

Serie: Die 20 größten Risiken deutsch-französischer Industrieprojekte – Risiko Nr. 10 von 20
„Wir haben doch den Besten eingestellt."
Diesen Satz höre ich erstaunlich oft. Und fast immer folgt kurze Zeit später der zweite:
„Warum funktioniert es trotzdem nicht?"
Vor einigen Jahren rief mich ein Geschäftsführer an. Sechs Monate nach dem Start seines neuen Vertriebsleiters für Frankreich.
Der Kandidat war beeindruckend. Top-Referenzen. Internationale Erfahrung. Mehrsprachig. Vom deutschen Headquarter einstimmig ausgewählt. Eigentlich eine Traumbesetzung.
Eigentlich. Denn während intern alle zufrieden waren, passierte draußen am Markt... erstaunlich wenig. Kaum neue Kunden. Kaum Dynamik. Kaum Vertrauen.
Der Geschäftsführer fragte mich schließlich:
„Was haben wir übersehen?"
Meine Antwort war unbequem:
„Sie haben keinen schlechten Kandidaten eingestellt. Sie haben den falschen Erfolg verwechselt."
Viele Unternehmen suchen den besten Lebenslauf. Die meisten Jahre Erfahrung. Die größte Branche. Die beeindruckendsten Stationen.
Doch deutsch-französische Industrieprojekte folgen einer anderen Logik. Hier reicht Fachkompetenz allein nicht aus. Man muss Vertrauen aufbauen, bevor man Ergebnisse einfordert. Zwischen zwei Unternehmenskulturen vermitteln. Mit unterschiedlichen Entscheidungslogiken umgehen. Unsicherheit aushalten. Menschen zusammenbringen, die völlig unterschiedlich denken.
Das steht in keinem CV. Und genau deshalb wird es selten geprüft.
Die teuersten Fehlbesetzungen erkennt man nicht im Vorstellungsgespräch. Sondern sechs Monate nach Projektstart. Wenn Entscheidungen langsamer werden. Wenn Kunden auf Distanz gehen. Wenn das Team Energie verliert. Wenn das Headquarter fragt, warum trotz eines hervorragenden Kandidaten nichts vorangeht.
Dann kostet eine Fehlentscheidung längst nicht mehr nur ein Gehalt. Sondern Zeit. Marktchancen. Vertrauen. Und manchmal das gesamte Projekt.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Wer ist der Beste?"
Sondern: „Wer erhöht die Erfolgschancen genau dieses Projekts?"
Denn die besten Talente sind nicht automatisch die richtigen. Die richtigen Talente sind diejenigen, die genau an dieser Stelle den Unterschied machen.
Haben Sie schon erlebt, dass ein hervorragender Kandidat fachlich überzeugte – und trotzdem nicht zum Erfolg des Projekts beigetragen hat?

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