Wenn der Lebenslauf nicht zu 100 % passt

4 mars 2026·Recruiting·2 min de lecture
Wenn der Lebenslauf nicht zu 100 % passt

Der perfekte Lebenslauf: mit allen Häkchen. Alle Anforderungen erfüllt. Keine Lücken. Die „richtige" Branche. Der „richtige" Karriereweg. Auf dem Papier: perfekt.

Vor einiger Zeit suchte ich für ein Industrieunternehmen einen technischen Vertriebsleiter für Frankreich. Die Wunschliste war lang: Ingenieur, Vertriebserfahrung, perfekte Sprachkenntnisse, internationale Projekte, Branchenkenntnis. Kurz gesagt: ein Unicorn.

Nach einigen Wochen stellte ich einen Kandidaten vor, der nicht perfekt war. Ein Detail fehlte: Er kam aus einer angrenzenden Branche.

Die Reaktion im ersten Gespräch: „Interessantes Profil… aber er hat die Branche nicht zu 100 %."

Ich schlug trotzdem ein Gespräch vor.

Im Interview passierte etwas Spannendes. Der Kandidat verstand sofort die technischen Zusammenhänge, die Kundenstruktur und die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich. Und vor allem: wie man Vertrauen im Markt aufbaut.

Heute gehört er zu den erfolgreichsten Vertrieblern des Unternehmens.

Der Lebenslauf zeigt, wo jemand war. Aber nur selten, wo jemand noch hingehen kann.

Die wirklich entscheidenden Fragen sind andere:

  • Kann jemand lernen?
  • Kann er komplexe Situationen verstehen?
  • Passt er kulturell ins Unternehmen?
  • Kann er Vertrauen bei Kunden und Teams aufbauen?

Die erfolgreichsten Karrieren sind selten linear. Sie sind ungewöhnlich. Manchmal sogar ein wenig „unperfekt". Und genau das macht sie stark.

Meine Frage an HR-Leiter und Geschäftsführer: Wann haben Sie zuletzt bewusst einem Kandidaten eine Chance gegeben, dessen Lebenslauf nicht zu 100 % in die Stellenanzeige passte?

Richard Pinot

Des questions sur votre projet franco-allemand ?

Nous serons heureux d'échanger avec vous — sans engagement et en toute confidentialité.

Prendre contact